{"id":387,"date":"2023-08-22T10:43:55","date_gmt":"2023-08-22T08:43:55","guid":{"rendered":"https:\/\/keineshowfuertaeter.noblogs.org\/?p=387"},"modified":"2023-08-22T10:43:55","modified_gmt":"2023-08-22T08:43:55","slug":"statement-der-betroffenen-zum-text-im-buch-oh-boy","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/keineshowfuertaeter.noblogs.org\/de\/statement-der-betroffenen-zum-text-im-buch-oh-boy\/","title":{"rendered":"Statement der Betroffenen zum Text im Buch \"Oh Boy\""},"content":{"rendered":"<p>Ich bin die Frau, die durch Valentin Moritz im Mai 2022 sexualisierte Gewalt erlebt hat. Ich bin die Frau, die seit Wochen eine nicht enden wollende emotionale Achterbahnfahrt durchlebt. Weil \u00fcberall das Buch \"Oh Boy. M\u00e4nnlichkeit*en heute.\", erschienen Juli 2023 im kanon Verlag, gefeiert wird, das Valentin mit herausgibt &#8211; und in dem er in einem eigenen Text \u201cEin gl\u00fccklicher Mensch\u201d diesen \u00dcbergriff an mir thematisiert.<\/p>\n<p>Ich schreibe hier nicht, weil ich Aufmerksamkeit brauche. Ich schreibe hier auch nicht, weil ich ihm drohen m\u00f6chte. Ich schreibe hier, weil ich darin die einzige M\u00f6glichkeit sehe, wieder Kontrolle zu erlangen. \u00dcber mein Leben und diesen Moment in meinem Leben, den Valentin Moritz nun seit Wochen nutzt, um sich medial zu profilieren \u2013 wohlwissend, dass ich dem widersprochen habe. Mehrfach.<\/p>\n<p>Denn nach dem sexualisierten \u00dcbergriff im Mai 2022 hat es im August 2022 ein Gespr\u00e4ch zwischen Valentin und mir, in Anwesenheit einer mir vertrauten Person, auf einer Wiese in Berlin gegeben. Das Gespr\u00e4ch sollte urspr\u00fcnglich dazu dienen, sowohl meine durchlebten und fortw\u00e4hrenden Emotionen und Auswirkungen als auch meine Forderungen an ihn zu adressieren. Doch es dominierte die Frage seitens Valentin, wie er weiterhin Teil des Buchprojekts zum Thema M\u00e4nnlichkeit im Hier und Jetzt bleiben k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Schon damals sagte er, er m\u00f6chte: \u00fcber seine T\u00e4terschaft schreiben. Ich habe dem widersprochen. Es gab ein klar formuliertes, schriftliches Nein von mir an Valentin: \"Ich m\u00f6chte ganz klar nicht, dass du den \u00dcbergriff, egal wie anonymisiert auch immer, benutzt. Generell finde ich es verkehrt, dass du Teil des Buchprojektes bleibst.\" Dass nun ein Jahr sp\u00e4ter in jeder gut sortierten Buchhandlung Valentins Buch steht, zeigt, dass es Valentin keineswegs darum geht, sich kritisch mit seiner T\u00e4terschaft auseinanderzusetzen, geschweige denn, in Verantwortung zu gehen wie er immer wieder behauptet. W\u00e4re das der Fall gewesen, h\u00e4tte er diesen Text nie geschrieben und mich davor bewahrt, all das zu durchleben. W\u00e4re das der Fall gewesen, h\u00e4tte er sein Bed\u00fcrfnis nicht wiederholt \u00fcber meines gestellt.<\/p>\n<p>Da es aber wohl um Prestige, Profilierung und seine eigene Karriere ging, hat er diesen Text geschrieben, der zwar so weit anonymisiert sein mag, dass andere mich nicht erkennen. Aber ich erkenne mich darin wieder und das hei\u00dft, ich durchlebe immer wieder diesen Abend, an dem f\u00fcr Valentin ein Nein kein Nein war. Dass Valentin diesen simplen Grundsatz von menschlicher Interaktion nach wie vor nicht verstanden hat und sich auch \u00a0nicht, wie er mehrfach behauptet, mit rape culture auseinandersetzt und M\u00e4nner sensibilisiert, zeigt sich auch im Text selbst.<\/p>\n<p>Mal schreibt er davon, \"er h\u00e4tte ahnen k\u00f6nnen\", dass ich nicht m\u00f6chte, was er tut. In Wirklichkeit habe ich nicht nur kein Ja gegeben, sondern auch versucht, mich zu befreien &#8211; erfolglos. Mal ordnet Valentin fragend seine Tat ein als irgendetwas zwischen \u00a0\u201charmlos wie ein unbeholfener Spruch im Hausflur &#8211; oder eben, im Gegenteil, bedrohlich wie eine brutale Vergewaltigung mit Vorsatz\", als gebe es Vergewaltigungen ohne Brutalit\u00e4t und ohne Vorsatz. Und ob ein sexistischer Spruch f\u00fcr die betroffene Person harmlos oder eben doch verletzend, be\u00e4ngstigend oder entw\u00fcrdigend ist, liegt immer noch bei der Person selbst. Hier den T\u00e4ter zum Opfer, da als unbeholfen beschrieben, zu machen, spricht f\u00fcr sich. An einer anderen Stelle im Text stellt er sogar an sich den Anspruch, im Sinne der Betroffenen zu handeln: \"H\u00e4tte ich sie gefragt, h\u00e4tte sie Nein sagen k\u00f6nnen, und ich h\u00e4tte ihre Antwort akzeptiert.\"<\/p>\n<p>Es sind alles in allem viele Zeilen, die sich wie ein einziger Hohn gegen\u00fcber mir und anderen Betroffenen lesen. Erst recht wenn Valentin und Verlag behaupten, in seinem Text spreche nur ein lyrisches Ich, obwohl mehrfach in der medialen Besprechung und auch in pers\u00f6nlicher Kommunikation mit mir klar wurde und wird, dass hier Valentin selbst in seinem Text spricht. Valentin schreibt im Text beispielsweise, dass \"ich (Valentin) meine Handlung zwar bennen, zum Schutz von Pers\u00f6nlichkeitsrechten aber nicht in einen Kontext stellen kann\". Erst recht wenn Valentin das Thematisieren seiner Tat und das Suchen nach Worten im Text beschreibt als das Gef\u00fchl, \"in einer Zwickm\u00fchle zu stecken, umgeben von einem riesigen Minenfeld.\"<\/p>\n<p>Abgesehen davon, dass mit dem Wort \u201cMinenfeld\u201d eine Diskurs- und Problemverschiebung hin zu Betroffenen und Flinta stattfindet, h\u00e4tte er sich selbst vor diesem Minenfeld und meiner Reaktion bewahren k\u00f6nnen. Ich habe ein ganz klares Nein dazu ausgesprochen, diesen Abend, diese Tat literarisch zu verarbeiten. Wenn er dieses Nein akzeptiert h\u00e4tte, h\u00e4tte dies nat\u00fcrlich die Tat nicht ungeschehen gemacht. Aber ich w\u00e4re heute ein bisschen mehr das, wovon sein Text vorgibt zu handeln. Ein gl\u00fccklicher Mensch.<\/p>\n<p>&#8211;&gt; Ich m\u00f6chte darauf hinweisen, dass es mir dezidiert um den Text von Valentin Moritz geht und nicht um weitere Texte in der Anthologie.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bin die Frau, die durch Valentin Moritz im Mai 2022 sexualisierte Gewalt erlebt hat. Ich bin die Frau, die seit Wochen eine nicht enden wollende emotionale Achterbahnfahrt durchlebt. Weil \u00fcberall das Buch \"Oh Boy. 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